In Deutschland muss das Hauptprofil eines Pkw-Reifens über den gesamten Umfang mindestens 1,6 mm tief sein (§ 36 StVZO). Der ADAC (Stand 19.05.2026) hält das für ein reines Minimum und empfiehlt bei Sommerreifen mindestens 3 mm, bei Winter- und Ganzjahresreifen mindestens 4 mm. Neue Reifen haben meist 7 bis 9 mm, Winterreifen teils bis 10 mm. Wer unter 1,6 mm fährt, zahlt 60 Euro und bekommt einen Punkt.
1. Gesetz und Empfehlung im Überblick
| Gesetzlich (Deutschland) | ADAC-Empfehlung | |
|---|---|---|
| Sommerreifen | 1,6 mm | mindestens 3 mm |
| Winterreifen | 1,6 mm | mindestens 4 mm |
| Ganzjahresreifen | 1,6 mm | mindestens 4 mm |
| Leichtkrafträder | 1,0 mm | keine Angabe |
Für Pkw-Reifen gilt der Wert in Deutschland unabhängig von der Saison. Die höhere Empfehlung für den Winter hat einen Grund: Auf Schnee und bei Nässe verliert ein abgefahrener Reifen deutlich mehr Grip als im Trockenen.
2. Was wenig Profil bewirkt
Der ADAC hat dazu Winterreifen der Größe 185/60 R14 mit unterschiedlicher Profiltiefe verglichen. Ergebnisse im Überblick:
| Disziplin | Neureifen | 4 mm Profil |
|---|---|---|
| Aufschwimmen (Aquaplaning) | ab 87 km/h | ab 63 km/h |
| Bremsweg Schnee aus 30 km/h | Referenz | 3,2 m länger |
| Nassbremsweg aus 80 km/h | Referenz | rund 7 % länger (abgefahrener Reifen) |
| Zugkraft auf Schnee | 100 % | unter 50 % (ein 7,5-mm-Reifen erreichte rund 60 %) |
Im Trockenen wurden die Bremswege mit abnehmendem Profil sogar etwas kürzer. Im deutschen Winter ist das aber kaum relevant. Merke dir: 4 mm sind kein Sicherheitsrand, sondern bereits spürbar schlechter als ein neuer Reifen.
3. So misst du die Profiltiefe
- Verschleißindikatoren (TWI): Im Profilgrund sitzen an sechs Stellen kleine Stege. Gehen sie ohne Absatz in die Profilblöcke über, ist die Mindesttiefe unterschritten. Gemessen wird in den Rillen neben den Stegen.
- Euro-Münze: Hältst du eine 1-Euro-Münze in die Profilmitte und der goldene Rand (rund 3 mm breit) ist verschwunden, ist die Tiefe laut ADAC ausreichend. Ist er noch zu sehen, solltest du bald wechseln. Der Test ist nur eine grobe Vorabprüfung.
- Profiltiefenmesser: Für eine genaue Messung. Prüfe mehrere Stellen über die Lauffläche.
4. Bußgeld bei zu wenig Profil
Der ADAC nennt für Deutschland:
- Profil unter 1,6 mm: 60 Euro und ein Punkt in Flensburg.
- Bei Gefährdung anderer: 75 Euro.
- Bei einem Unfall: 90 Euro.
Mit Gebühren kommt man dann auf rund 120 Euro. Zusätzlich kann der Versicherungsschutz verloren gehen. Das ist keine Rechtsberatung, im Streitfall helfen Verbraucherzentrale oder Anwalt.
5. Im Ausland strenger
Der ADAC nennt: In Österreich und Tschechien zählt ein Winterreifen unter 4 mm als Sommerreifen, in Schweden sind 3 mm vorgeschrieben. Der ÖAMTC nennt für Winterreifen und M+S-Ganzjahresreifen an Pkw in Österreich 4 mm bei Radialreifen. Wer im Winter über die Grenze fährt, sollte das vor der Reise prüfen. Die Angaben des ÖAMTC haben keine Datumsangabe, schau im Zweifel auf den Seiten der Automobilclubs nach dem aktuellen Stand.
6. Wann du wechseln solltest
- Sommerreifen: spätestens bei 3 mm.
- Winter- und Ganzjahresreifen: spätestens bei 4 mm. Der ADAC empfiehlt das auch in seinen Reifentests.
- Bei Beschädigungen: sofort erneuern, möglichst zwei neue auf derselben Achse.
- Nach Alter: Winterreifen nach etwa acht Jahren, Sommerreifen nach spätestens zehn Jahren, siehe Reifenalter und DOT-Nummer.
- Winterreifen im Sommer abzufahren rät der ADAC ab, weil die Bremswege deutlich länger sind.
7. Neue Reifen vergleichen
Wenn die Messung zeigt, dass es Zeit ist, vergleichst du am besten Modell und Größe mit dem Gesamtpreis. Im Vergleich der Winterreifen und im Vergleich der Ganzjahresreifen stehen Tests und Preise. Beispiele mit Meta-Score: Continental WinterContact TS 870, Goodyear Vector 4Seasons Gen-3 und Michelin Primacy 5. Für die Rechtslage bei Schnee siehe Winterreifenpflicht, für Größe und Label Reifen kaufen.