In Deutschland gibt es keine Winterreifenpflicht für bestimmte Monate, sondern eine situative: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte darfst du nur fahren, wenn alle Räder geeignete Winterreifen tragen. Die Faustformel „von Oktober bis Ostern“ hat laut ADAC (Stand 08.10.2026) keine rechtliche Bedeutung. Erkennen kannst du geeignete Reifen am Alpine-Symbol, dem Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Reifen, die nur „M+S“ tragen, sind bei winterlichen Verhältnissen nicht mehr erlaubt.
1. Was genau vorgeschrieben ist
Die Regel steht in § 2 Absatz 3a der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO). Sie gilt bei den fünf genannten Wetterlagen: Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte und Reifglätte. Die Reifen müssen die Anforderungen aus § 36 Absatz 4 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung erfüllen. Das Gesetz spricht von allen Rädern, der ADAC fasst es so zusammen: Erfüllt ist die Pflicht nur, wenn alle vier Räder Winterreifen tragen.
Das heißt in der Praxis: Du musst nicht an einem Stichtag wechseln, aber du bist verantwortlich, sobald Schnee oder Glätte auf der Straße liegen. Plane den Wechsel deshalb vor dem ersten Frost ein und nicht erst, wenn es schneit.
2. Bußgeld und Punkte
Der ADAC nennt für Deutschland (Stand 08.10.2026) diese Beträge:
| Verstoß | Betroffener | Bußgeld | Punkte |
|---|---|---|---|
| Fahren mit falscher Bereifung bei winterlichen Verhältnissen | Fahrer | 60 € | 1 |
| Dasselbe mit Behinderung anderer | Fahrer | 80 € | 1 |
| Verstoß des Halters | Halter | 75 € | 1 |
Bei einem Unfall mit Sommerreifen drohen weitere Folgen. Der ADAC weist darauf hin, dass die Kaskoversicherung wegen grober Fahrlässigkeit Leistungen kürzen kann und dass der gegnerischen Haftpflichtversicherung ein Mitverschulden entgegengehalten werden kann. Beides hängt vom Einzelfall ab. Das ist keine Rechtsberatung: Wenn dir ein Versicherer Leistungen verweigert, frag eine Verbraucherzentrale oder einen Anwalt.
3. Welche Reifen gelten als Winterreifen
- Alpine-Symbol (3PMSF): Das Bergpiktogramm mit Schneeflocke an der Flanke. Das ist heute das Merkmal.
- Nur „M+S“: Genügt bei winterlichen Verhältnissen nicht mehr, so der ADAC.
- Ganzjahresreifen: Sie gelten rechtlich als Winterreifen, wenn sie das Alpine-Symbol tragen. Ob sie im Winter wirklich gut sind, ist eine andere Frage, siehe Ganzjahresreifen oder Winterreifen.
- Panne: Hast du bei einer Reifenpanne nur einen Sommerreifen als Ersatz, darfst du laut ADAC vorsichtig weiterfahren und musst bei nächster Gelegenheit einen Winterreifen montieren.
4. Ausnahmen
Die Pflicht gilt nach dem Gesetzestext nicht für land- und forstwirtschaftliche Nutzfahrzeuge, einspurige Kraftfahrzeuge wie Motorräder, Stapler und motorisierte Krankenfahrstühle. Für bestimmte Einsatz- und Spezialfahrzeuge, für die es bauartbedingt keine passenden Reifen gibt, gelten ebenfalls Ausnahmen. Anhänger fallen laut ADAC nicht unter die Pflicht, er empfiehlt dort aber geeignete Reifen.
5. Mietwagen und Ausland
- Mietwagen: Der Vermieter muss laut ADAC ein verkehrssicheres Fahrzeug übergeben. Bei Winterglätte darfst du ein Auto mit Sommerreifen ablehnen. Auch der Vermieter als Halter kann bußgeldpflichtig werden. Winterreifen kosten oft einen Aufpreis.
- Ausland: In Österreich, der Schweiz, Italien (Südtirol) und weiteren Ländern gelten andere Regeln. Prüfe sie vor der Reise.
6. Checkliste vor dem Wechsel
- Alpine-Symbol an der Flanke aller vier Reifen vorhanden?
- Profiltiefe: Gesetzlich gelten 1,6 mm, der ADAC empfiehlt für Winterreifen mindestens 4 mm. Mehr dazu in Mindestprofiltiefe bei Reifen.
- Alter prüfen: Der ADAC rät, Winterreifen nach spätestens sechs Jahren zu tauschen, weil die Gummimischung dann bei Kälte an Grip verliert. Wie du das Datum liest, steht in Reifenalter und DOT-Nummer.
- Vier gleiche Reifen auf allen Rädern montieren.
7. Wenn du neue Winterreifen kaufst
Nässe entscheidet über den Bremsweg, nicht nur der Schnee. Im ADAC-Test 2026 in 225/50 R17 brauchten der Continental WinterContact TS 870 und der Pirelli Cinturato Winter 3 aus 80 km/h auf nasser Fahrbahn rund 35 m, der schwächste Reifen fast 12 m mehr. Eine Übersicht der Ergebnisse findest du im Winterreifen-Test 2026. Konkrete Modelle mit ausgewerteten Tests und Preisen: Continental WinterContact TS 870, Michelin Alpin 7 und Bridgestone Blizzak 6. Alle Modelle mit dem günstigsten Gesamtpreis siehst du im Vergleich der Winterreifen. Grundlagen zu Größe und Label stehen in Reifen kaufen.